Unser Dorf Unterwössen

Die Unterwössner werden im ganzen Achental auch als „Blass“ betitelt. Mit „Blass“ ist das Pferd gemeint, welches im Ortswappen von Unterwössen enthalten ist und auf eine lange Pferdezuchttradition hindeutet.

Die Gemeinde Unterwössen liegt im Tal der Tiroler Ache am Fuße des Hochgern. Zusammen mit Oberwössen hat Unterwössen Mitte 2005 etwas über 3.400 Einwohner.

Erste Siedlungsspuren im Gemeindegebiet gehen bis in die Hallstattzeit um das 8. Jahrhundert vor Christus zurück; am nördlichen Ortseingang wurde ein Depot von Bronzebarren aus jener Zeit gefunden. Aus der Epoche der römischen Besiedelung des Chiemgaus konnten bei uns noch keine Spuren gefunden werden. Der Ursprung unserer Gemeinde ist in fränkisch-karolingischer Zeit zu suchen. Die erste aus Holz errichtete Kirche war dem fränkischen Heiligen Martin geweiht, ein Hinweis auf ihre Gründung um das Jahr 800. Entlang der heutigen „Alten Dorfstraße“ entwickelte sich ein Haufendorf mit der typisch germanischen Wannenflur, die sich in Grundzügen bis heute erhalten hat. Urkundlich wird Unterwössen erstmals 1120 erwähnt, als ein Harrandt de Wezzen auf einer Schenkungsurkunde als Siegelzeuge genannt wird. Zur gleichen Zeit dürfte auch die Rettenburg am ehemaligen Saumpfad nach Reit im Winkl entstanden sein; geringe Reste finden sich noch oberhalb von Kruchenhausen. Der Name Oberwössen wird erstmals im Steuerverzeichnis von 1420 erwähnt.

Die Güter von „Wessen“ gehörten neben der herzoglichen Grundherrschaft noch zum Besitz der Hofmark Grabenstätt, der Klöster Herrenund Frauenchiemsee, Raitenhaslach, Baumburg und Scheyern. Im Steuerverzeichnis des Herzogs von Niederbayern von 1318 – das Achental gehörte von 1255 bis 1505 zu Niederbayern – treffen wir auf viele heute noch gebräuchliche Ortsnamen wie Stichel = Stückl, Gärib = Garb und Manzenperch; das heutige Unterwössen wurde Niederwessen genannt. Die Zahl der Anwesen stieg von 50 im Jahr 1420 nur geringfügig auf 71 im Jahr 1802 an.

Im Landshuter Erbfolgekrieg von 1504 wehrten sich im Landaufgebot des Chiemgaus auch Wössner Bauern gegen die Übermacht des Heeres von Kaiser Maximilian. Gerade in dieser Zeit äußerster wirtschaftlicher Not wurde ein gemauerter gotischer Neubau der Kirche errichtet. Die mit der Säkularisation 1803 verbundenen Reformen brachten die erste Wende in der Wirtschaftsstruktur, weil durch die Aufhebung Unterwössen der Grundherrschaft die Bauern Eigentümer der von ihnen bewirtschafteten Höfe wurden.

Von 1780 bis 1783 wurde die heutige Kirche im Stil des ländlichen Rokoko errichtet; ihre jetzige Form bekam sie 1961 durch einen als Folge des starken Bevölkerungsanstiegs nach dem Zweiten Weltkrieg notwendig gewordenen Erweiterungsbau nach Süden.

Zwischen 1849 und 1857 brach in Unterwössen das „Goldfieber“ aus; einige Unterwössner Bauern gruben am Kienberg oberhalb der Röthelmoos-Alm bei Ruhpolding nach Gold, jedoch ohne jeden Erfolg.

Der Bau der Eisenbahn von Übersee nach Marquartstein 1884 und die Verbesserung der Straße nach Reit im Winkl brachten die ersten Urlauber in unser Dorf; 1994 wurde diese Bahnstrecke wieder aufgelöst. Im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurde 1933/34 der Wössner See angelegt.

Durch den Zweiten Weltkrieg fanden viele Vertriebene auch in Unterwössen eine neue Heimat. In dem bis dahin überwiegend landwirtschaftlich geprägten Dorf entstand in dieser Zeit die heutige Wirtschaftsstruktur, die auf Landwirtschaft, Handwerk, Gewerbe und Fremdenverkehr basiert.

Im Oktober 1978 wurde Unterwössen mit Oberwössen beim Wettbewerb „Unser gastliches Bayern“ mit einem Preis ausgezeichnet.

Unterwössen hat eine besondere Tradition in der alpenländischen Volksmusik und besonders im geistlichen Volkslied: der Wössner Erntedank, ins Leben gerufen von „Volksmusikpfarrer“ Pfarrer Franz Niegel mit dem Salzburger Musikanten Tobi Reiser samt seinem Ensemble, zeigt Wirkung bis in die heutige Zeit und lebt als gute Tradition weiter. Bemerkenswert war die Verbindung mit Annette Thoma, deren Bauernmesse der Chorleiter Jochen Langer für den Unterwössner Kirchenchor bearbeitet hat und die so zur Wössner Tradition geworden ist.

Besondere Ereignisse in jüngster Zeit
1995 Brand des „Hotels zur Post“ mit dem großen Veranstaltungssaal
2001 Wiederaufführung des „Wössner Seeräuberspiels“: Elemente des Spiels, dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht, sind die „Seeräuber“ mit ihrem Schwertertanz, die „Chinesen“ mit ihrem „Grotesktanz“ und ein Zug durch den Ort, der historische Figuren und Kostüme zeigt.
2001 Wössner Kirchweih: Hier wurden viele Facetten regionaler Wirtschaft und Kultur unter dem Motto: „Lebenswerte Heimat und gesunde Umwelt“ zu einer Gesamtveranstaltung zusammengefasst: Landwirtschaft, Garten, Handwerk, Musik, Tracht, Energiethemen und Ökologie konnten an einem Wochenende einem zahlreichen Publikum präsentiert werden.