Vereinsgeschichte

Tafel GTEV Unterwössen »D’ Achentaler« Unterwössen Wappen Unterwössen

Gebirgstracht – Erhalten – Verein! Wie reimt sich das z’samm´?

Die Idee zur Gründung eines Trachtenvereins brachte der Erdinger Wirtssohn Josef Meth in unsere Gemeinde. Er war über Schliersee nach Unterwössen gekommen und stellte sich dem neu gegründeten Verein als Vorplattler zur Verfügung. Die Vereinsgründung war die erste im Achental, wodurch sich wohl die Namensgebung „D´Achentaler Unterwössen“ erklärt! Die Vereinsgründung mit dem Gründungsvorstand Stefan Entfellner aus Hinterwössen fand am 21. März 1891 beim damaligen Schaffererwirt, dem späteren Hotel zur Post statt. Dieses Wirtshaus, genannt „Stumbeck“, ist 1995 abgebrannt.

Ziel und Zweck des neu gegründeten Vereins war es, „die Gebirgstracht so gut wie möglich auch in hiesiger Gegend zu erhalten und zu verbreiten.“ (Zitat aus der Gründungsurkunde). Wesentlicher Bestandteil dieser in der Vereinssatzung so genannten Gebirgstracht war die kurze Lederhose, die Anfang des 19. Jahrhunderts als Arbeitskleidung der Jäger und Forstarbeiter im Alpenraum verbreitet war.

Das Verschwinden der kurzen Lederhose aus dem gesellschaftlichen Leben in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war die entscheidende Motivation für die Gründung des 1. Vereins zur „Erhaltung der Volkstracht“ durch den Lehrer Joseph Vogl 1883 in Bayrischzell.

Die heute so genannte „Historische Tracht“, die bäuerliche Tracht des 19. Jahrhunderts, mit schwarzem Rock oder Jacke bei den Männern und Chiemgauer Variante des Schalks mit reicher Garnier bei den Frauen, wurde, wie auch bei den Vereinsgründungen im Oberland, nicht in den neuen Verein integriert. Als Tracht des Vereins wurde ausschließlich die „Gebirgstracht“ gewählt, eigentlich das G´wand der Jäger und Holzknechte und nicht die bäuerliche Tracht, wie sie auch in Unterwössen nachgewiesen ist.

Durch die Jahrhunderte war mit Tracht alles Getragene gemeint. Jeder Stand hatte seine eigene „Tracht“, welche die Zusammengehörigkeit der sozialen Gruppe symbolisierte und verstärkte. Die Geselligkeit und die Suche nach Gemeinschaft waren wohl eine nicht zu unterschätzende Triebfeder bei der Gründung des Trachtenvereins in Unterwössen: „Jeden 1. Sonntag im Monat ist im Vereinslokal Zusammenkunft …“ Um all diese Zwecke der Trachtenerhaltung, Trachtenverbreitung und Geselligkeit verwirklichen zu können, lag die Gründung eines Vereins nahe. Im Kaiserreich waren Vereinsgründungen als Ausdruck des gestiegenen Selbstbewusstseins der Staatsbürger an der Tagesordnung.

Mitglieder des Vereins waren aber nicht die alteingesessenen Bauern des Ortes, sondern Handwerker und Bauernknechte. Frauen konnten nicht Mitglied werden.

Bürgermeister Rexauer

Mesnerfamilie

Die Tracht des neu gegründeten Vereins war noch sehr vielfältig und wohl auch vom Geldbeutel und Geschmack des jeweiligen Trägers abhängig. In der Satzung des Vereins war ausdrücklich das Verleihen der Tracht geregelt, was darauf schließen lässt, dass die Tracht (zumindest die im Verein zu erhaltende Form) entgegen der herrschenden Auffassung nicht allgemein verbreitet war.

Eine weitere Aufgabe unseres Vereins war es außerdem, „die oberbayerischen Nationaltänze hier und in nächster Umgebung zu erhalten und möglichst einzuführen.“ (Auszug aus der Gründungssatzung). Damit ist wohl in erster Linie der Schuhplattler gemeint, den es sicher in irgendeiner Form im Achental gegeben hat. Aufzeichnungen darüber sind aber erst mit Gründung der Trachtenvereine bekannt.

Gründungsfest

In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts fallen die häufigen Festlichkeiten auf, die wohl auf ein reges Vereinsleben und auf die allgemeine politische und wirtschaftliche Stabilisierung ab etwa Mitte der zwanziger Jahre zurückzuführen ist. Die Vereinstracht verlor ihre Vielfältigkeit, bei den Männern wurde die grüne Joppe Standard, die verheirateten Frauen tragen jetzt schon das „Röcke“, welches vor dem Ersten Weltkrieg nicht zu finden war. Erst nach dem Ersten Weltkrieg, auch mit Einführung des Frauenwahlrechts 1918, begann sich die Stellung der Frauen in der Gesellschaft allmählich zu bessern.

Im 3. Reich ab 1933 wurden die Aktivitäten des Vereins in der KdF – Organisation („Kraft durch Freude“) der Nationalsozialisten gleichgeschaltet, (KdF - Trachtengemeinschaft „D´ Achentaler“ Unterwössen), wobei bei den sogenannten KdF-Abenden die starke Entwicklung des Fremdenverkehrs nach dem Krieg und damit auch die Ausrichtung des Vereins nach dem Krieg schon vorweggenommen wurde.

Ende der 30er Jahre und während des Zweiten Weltkrieges kam das Vereinsleben völlig zum Erliegen. Der Verein musste große Verluste beklagen. Nach dem Krieg war aber das Bedürfnis groß, durch gemeinsame Aktivitäten der schwierigen Nachkriegszeit ein positives Signal entgegenzusetzen.

Otto Dufter sen. erzählt:
„Ab 1946 wurde die Probenarbeit wieder aufgenommen, wegen des Ausgangsverbots der Alliierten allerdings geheim. Die Trachtenvereine wurden erst im Laufe der Zeit anerkannt und von den Besatzungsmächten genehmigt. In der ersten Zeit durften wir Jugendlichen bei Unterhaltungsabenden der GI`s auftreten. Plattler, Reigentänze und Steyrer haben wir gezeigt. Wir wurden mit Orangen, Schokolade, Zigaretten und Kaugummi belohnt! Die Auftritte fanden große Begeisterung! Ansonsten durften wir nur am Vereinspreisplattln teilnehmen. Geprobt wurde privat, z.B. beim Wegmann-Bauern in der Schusterstub´n. Die Aktiven kamen beim Wegmann in der Tenne, später im Bräu-Saal zum Proben zusammen, welche bald gerne von den Gästen besucht wurden. Man sammelte mit dem Hut. Der Almtanz, als Unterhaltungsabend für Vereinsmitglieder und Gäste, lebte wieder auf!“

Die aufblühende Vereinsaktivität wurde eindeutig durch den sich rasch entwickelnden Fremdenverkehr begünstigt. Die Almtänze, Gä- stebegrüßungsabende und Bayerischen Abende waren Plattform und Treffpunkt für die Aktiven und auch älteren Mitglieder des Vereins.

Otto Dufter sen.:
„Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre erreichte man mit 37 Almtänzen und Begrüßungsabenden pro Jahr die absolute Spitze. Zu Glanzzeiten waren wir über 20 Plattler, nur komischerweise brachten wir immer die „benötigten“ sechs Dirndl nicht leicht zusammen. 1966 wurde eine große Mitgliederwerbung initiiert; man kam auf über 500 Mitglieder!“

Mit der Gründung der „Historischen Gruppe“ 1976 konnte die Vielfalt der Trachten im Verein vergrößert und dadurch ein weiterer Personenkreis für das Tragen der Tracht gewonnen werden. Man erinnerte sich an die bäuerliche Tracht des 19. Jahrhunderts, welche farbenfroher und individueller als die „normale Vereinstracht“ war und deshalb viele neue Mitglieder begeisterte. Erster Leiter der Gruppe war der leider viel zu früh verstorbene Sepp Posch. Die aus der Historischen Gruppe entstandene Tanzgruppe pflegt bis heute besonders die Chiemgauer Volkstänze und spricht damit Vereinsmitglieder aus vielen Altersgruppierungen an.

1981 hat sich aus den Reihen des Vereins eine neue Theatergruppe gebildet; die alte hatte sich 1958 aufgelöst. Mit geselligen, witzigen aber auch dramatischen Stücken begeistern die „Theaterer“ immer wieder ihr Publikum und pflegen die bayerische Volks - und Sprachkultur. Einen Höhepunkt erlebte die Gruppe 2003 mit der Freiluftaufführung „Das Goldloch“, einem Stück des Unterwössners Gustl Färbinger. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit und erzählt vom Goldgräberfieber in Unterwössen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Beim 100-jährigen Jubiläum 1991 wurde zum ersten Mal im Chiemgau-Alpenverband ein Volksmusikabend im Festzelt durchgeführt, welcher ein großer Erfolg wurde und seitdem zum festen Bestandteil der Gaufestwoche gehört.

Der Unterwössner Verein hat immer wieder mit hervorragenden Platzierungen auf Gauebene auf sich aufmerksam gemacht:

Gaupreisplattln einzeln:
39 x 1. Preis; 28 x 2. Preis; 39 x 3. Preis
Gaupreisplattln Gruppe:
5 x 1. Preis; 18 x 2. Preis; 5 x 3. Preis
Gaudirndldrahn:
1 x 2. Preis; 3 x 3. Preis
Historische Tanzgruppe:
1. Preis beim Internationalen Volkstanzwettbewerb in Marburg 1978

Die Wössner Plattler sind weit herum gekommen in der Welt. So durften junge Wössner Burschen in Paris/Frankreich (von Oktober 1956 bis Dezember 1957) und in Las Vegas/USA (von 1960 bis 1962) ihr Können zeigen. Mit dem Goethe-Institut wurden Tourneen durch Afrika und Japan wahrgenommen. Auch Moskau ließ grüßen und nahm unsere Plattler 1978 begeistert auf!

Wössner Plattler und Dirndln nahmen an den kulturellen Veranstaltungen der olympischen Spiele 1972, der Fußballweltmeisterschaft 1974 und am Turnertag 1996 in München teil.

Der Trachtenverein bereichert das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Gemeinde mit seiner Kinder- und Jugendarbeit, den Veranstaltungen und Auftritten für den Fremdenverkehr und durch die Pflege kirchlichen und weltlichen Brauchtums. Er ist ein wichtiger Eckpfeiler der dörflichen Gesellschaft und hilft, die kulturelle Eigenart des Dorfes zu erhalten. Mitglieder des Trachtenvereins beteiligen sich am Maibaumaufstellen, beim Seeräuberspiel, das 2001 nach der bisher letzten Aufführung 1911 unter tatkräftiger Hilfe des Trachtenvereins wieder aufgeführt werden konnte und auch der Wössner Fasching ist mit dem „Weiber- und Dirndlkranzl“ des Trachtenvereins am Rosenmontag legendär.

Im kirchlichen Bereich sind Vereinsmitglieder bei der Fußwaschung am Gründonnerstag, beim Wössner Erntedank, an Kirchweih, bei Advents- und Weihnachtssingen und bei den jährlichen Wallfahrten, Prozessionen und Bittgängen dabei.

Wichtig für unseren Verein waren immer die Vereinslokale, die es in der gewohnten Form nicht mehr gibt. Mit dem Brand des Gasthof zur Post, beim „Stumbeck“, ging das Gründungslokal mit dem vielfach genutzten Saal 1995 in Flammen auf.

Bei der Gründung und nach allen Krisen und Neuanfängen des Vereins standen immer die gleichen Werte und Gedanken im Vordergrund: Gemeinschaft, Geselligkeit, Erhaltung und Verbreitung der einheimischen Tracht und bayerischen Sprache, Brauchtumspflege, Plattler, Trachtentänze, Volkstänze und Volksmusik.

Über die Jahre hinweg spiegelt sich dabei ein Auf und Ab im Vereinsleben wider. In den letzten Jahren stellte sich immer mehr heraus, dass man die Wurzeln, die Geselligkeit, den Zusammenhalt und das Miteinander fördern muss. Die Euphorie der guten Jahre des Fremdenverkehrs sind vorbei, die Gefahren des „Seppltums“ sind diskutiert und gehören der Vergangenheit an. Man schaut wieder mehr in die eigenen Reihen, kommt zum Hoagarten, Tanzen, Singen und Musizieren zusammen. Die Kinder werden in unser Brauchtum eingeführt, man geht mit ihnen z.B. zum Klöpfeln oder bindet zusammen einen Palmbuschn. Für die Mitglieder werden Trachtenausstellungen und sogar „Modenschauen“ veranstaltet, um ihnen die Vielfalt der Tracht zu zeigen und so die Entwicklung und Zukunft der Tracht als Gwand für jeden Anlass aufzuzeigen.

Die Sicherung der Zukunft des Trachtenvereins kann nur durch Aktivitäten seiner Mitglieder für sich selbst und für andere erfolgen. So können wir unsere regionale Identität bewahren und die Zukunft gestalten.

Gründungsmitglieder: Stefan Entfellner, Oberwössen; Hanns Mayer, Unterwössen, Einnehmer (Kassier); Josef Meth, Unterwössen, Vorplattler; Andreas Pertl, Oberwössen, Ersatzmann (Beisitzer).

Unter- und Oberwössen waren zu der Zeit ein Ort mit gemeinsamer Kirche und Schule; die 1911 gegründete Musikkapelle ist ausdrücklich als „Musikkapelle Wössen“ benannt und besteht nach wie vor aus Unter- und Oberwössnern.

Vorstände

Stefan Entfellner 1891-1893
Wolfgang Balsberger 1894-1898
Philipp Nieß 1898-1907
Martin Brandstetter 1907-1911
Mathias Schrobenhauser 1912-1918
Jakob Loider 1918-1919
Matthias Rappl 1919-1920
Johann Nieß (Moar) 1920-1921
Josef Fendt 1921-1922
Anton Loider 1922-1923
Matthias Murr 1924-1927
Sebastian Wörndl 1927-1930
Martin Bachmann 1931-1932
Anton Steinbacher 1932-1933
Hyronimus Münch 1933-1934
Jakob Kießlinger 1935-1936
Otto Dufter 1936-1941
Hyronimus Münch 1946-1947
Stefan Steinbacher 1947-1949
Josef Dambacher 1949-1952
Bertl Gasteiger 1953-1956
Josef Reichgruber 1957-1958
Sepp Schlagbauer 1959-1960
Martin Bauhofer 1960-1961
Otto Langbauer 1961-1962
Otto Dufter sen. 1962-1992
Ludwig Entfellner 1992-2005
Reinhard Kurz-Hörterer 2005-heute

Gauvorstände aus unserem Verein

Matthias Schrobenhauser 1926-1958
Sepp Schlagbauer 1971-1977
Otto Dufter sen. 1977-1997
Ludwig Entfellner seit 2003

1. Vorstand des Bayerischen Trachtenverbandes

Otto Dufter sen. seit 1994

Fahnenweihen

Fahnen

1897 1. Fahnenweihe, Pate war der GTEV „Hochgern“ Staudach
1931 2. Fahnenweihe, Pate war der GTEV „Hochgern“ Staudach
1976 3. Fahnenweihe, Pate war der GTEV „D’ Gamsgebirgler“ Schleching

Patenschaften unsererseits

1898 „Birkenstoaner“ München
1900 u. 1959 GTEV Siegsdorf
1902 GTEV „Untersberger“ Berchtesgaden
1911 u. 2001 GTEV „Dö Koasawinkla“ Reit im Winkl
1921 u. 1952 GTEV „D´ Rechlberger“ Oberwössen
1924 GTEV „D´ Gamsgebirgler“ Schleching
1924 GTEV „D´ Buchwäldler“ Übersee